Was in deinem Kopf passiert, bevor du eine Schule veränderst
Manchmal liest du einen Satz und denkst: Das mache ich doch längst.
Genau so ging es mir mit diesem Buch.
Seit Jahren habe ich meine eigene kleine Visualisierungsroutine. Selbst gebastelt, nie jemandem gezeigt. Und plötzlich stand sie da, gedruckt, in einem Buch von Maya Raichoora. 📚
„Visualisiere!“ ist im November 2025 auf Deutsch erschienen [1]. Mein Exemplar sieht aus wie ein Igel. Überall Klebezettel. 🌈
Ich erzähle dir, warum ich es dir ans Herz lege.
✏️ Ich zeichne seit Jahren. Aber die wichtigsten Bilder entstehen in meinem Kopf.
Du verbindest mich vermutlich mit Stiften und Sketchnotes. Deshalb liegt mir dieser Punkt am Herzen.
Visualisierung meint in diesem Buch nicht das Zeichnen. Es geht um mentale Bilder. Um dein Zukunfts-Ich, das dein Ziel längst erreicht hat. Und zwar unabhängig davon, welches Ziel das ist.
Für mich schließt sich damit ein Kreis. Ich habe das lange gespürt. Ausgesprochen habe ich es selten.
💡 Erst mental. Dann zeichnen.
Das innere Bild kommt zuerst. Es klärt, was du wirklich willst. Wie es sich anfühlt. Woran du merkst, dass du angekommen bist.
Das äußere Bild macht daraus etwas Sichtbares. Etwas zum Teilen, Aufhängen, Weiterdenken. Erst auf dem Papier wird deine Vision zu etwas, das ein ganzes Kollegium mitträgt.
Wer nur zeichnet, gestaltet manchmal ein schönes Plakat ohne inneren Kompass. Wer nur denkt, verliert die Klarheit im Schulalltag wieder.
Zusammen wirken beide. Das erlebe ich seit über sechzehn Jahren mit Lehrkräften, Kollegien und Schulleitungen.
🧠 Warum dein Gehirn auf innere Bilder reagiert
Maya Raichoora stützt sich auf neurowissenschaftliche Erkenntnisse, Fallstudien und ihre eigene Geschichte.
Der Grundgedanke gefällt mir sehr: Dein Gehirn bleibt veränderbar. Ein Leben lang. Neuroplastizität ist kein Kinderthema, sie begleitet dich bis ins hohe Alter. Lernen hört nie auf.
Als Biologielehrerin und Bildungsreferentin liebe ich diesen Gedanken. Verknüpfungen stärken sich durch Wiederholung. Du trainierst also mit jedem inneren Bild etwas mit.
Die spannende Frage ist nur: Was eigentlich?
Genau hier setzt das Buch an:
- Du lenkst deine emotionale Aufmerksamkeit, statt dich von ihr lenken zu lassen.
- Ein negatives Denkmuster blockiert dich. Ein positives öffnet dich.
- Deine Überzeugungen, deine sogenannten Beliefs, gehören regelmäßig auf den Prüfstand. Manche trägst du seit Jahrzehnten mit dir herum, ohne sie je überprüft zu haben.
Spitzensportler:Innen trainieren längst mental. In der Bildung sehe ich das bisher selten. Dabei stehen Schulleitungen unter mindestens so hohem Druck und tragen eine mindestens ebenso große Verantwortung. Findest du nicht auch?
🎯 Deine Vision braucht kein Flipchart. Sie braucht ein inneres Bild.
Fünf Techniken stellt das Buch vor:
- Ergebnisvisualisierung: Du siehst dein Ziel als erreicht.
- Prozessvisualisierung: Du gehst den Weg innerlich Schritt für Schritt.
- Kreative Visualisierung: Du entwickelst neue Ideen und Möglichkeiten.
- Negative Visualisierung: Du spielst durch, was schiefgehen könnte, und nimmst dem Szenario die Wucht.
- Explorative Visualisierung: Du erkundest offen, was in dir auftaucht, ganz ohne Zielvorgabe.
Die Anleitungen erinnern mich an Autogenes Training, ergänzt um geführte Imagination. Erst kommst du zur Ruhe. Dann entsteht das Bild.
Die negative Visualisierung finde ich besonders spannend. Sie klingt verkehrt herum. Sie nimmt aber genau der Sorge die Kraft, die dich nachts wach hält.
🍂 Ruhe, Wachstum, Ernte
Ein Kapitel hat mich sofort gepackt: die Planung in Jahreszeiten. Drei Phasen. Ruhe. Wachstum. Ernte.
Kennst du die Theorie U von Otto Scharmer [2]? Oder planst du Projekte in Phasen? Dann triffst du hier alte Bekannte. Erst das Innehalten, dann das Entstehen, dann das Sichtbarwerden.
Auf dein Schuljahr passt dieses Denken erstaunlich gut. Auch du hast Zeiten zum Säen und Zeiten zum Ernten. Wer im November erntet, wundert sich zu Recht.
Mir hilft dieser Rhythmus vor allem bei einem: meinen eigenen Flow zu finden. Statt dagegen anzurennen.
💛 Für wen sich dieses Buch lohnt
Meine eigene Praxis ist herrlich unspektakulär. Genau deshalb halte ich sie durch:
- Ich schreibe täglich meine To-Do-Liste. ✅
- An manchen Tagen kommen Morgenseiten ☀️ dazu. Freies Schreiben am Morgen, nach einer Idee von Julia Cameron [3].
- Und in größeren Abständen nehme ich mir eine große Leitfrage vor. Die beantworte ich mit einer Sketchnote✏️. Wie das aussieht, erzähle ich dir ein anderes Mal. Nur so viel: Dieser Termin mit mir selbst ist mir heilig geworden.
Ich empfehle dir „Visualisiere!“, wenn du Verantwortung trägst. Wenn dein Alltag oft schneller ist als du. Und wenn du trotzdem engagiert Zukunft gestalten willst.
Also genau dann, wenn dein Kalender dafür eigentlich keinen Platz hat.
Denn bevor du eine Schule veränderst, verändert sich etwas in deinem Kopf. Dort beginnt Visionsarbeit.
Und danach greifst du zum Stift.
Quellen
[1] Raichoora, M. (2025): Visualisiere! Denken, fühlen, performen wie die Top 1%. 5 Techniken, die dein Leben verändern. Übersetzt von Ursula Bischoff. München: Integral (Penguin Random House). 352 Seiten. ISBN 978-3-7787-9339-8.
[2] Scharmer, C. O. (2009): Theorie U. Von der Zukunft her führen. Heidelberg: Carl-Auer.
[3] Cameron, J. (1992): Der Weg des Künstlers. Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität. München: Knaur. (Ursprung der Morgenseiten)
Hinweis: Ich habe das Buch selbst gekauft. Es besteht keine Zusammenarbeit mit Verlag oder Autorin, und ich verdiene an dieser Empfehlung nichts. Bei der Erstellung dieses Beitrags wurden KI-Tools unterstützend eingesetzt. Die redaktionelle Verantwortung liegt bei mir.