Visualisieren in der Bildung
Was sind Sketchnotes? Und warum verändern sie das Lernen?
Stell dir vor, du sitzt in einer Fortbildung. Vorne redet jemand. Du schreibst mit. Aber am nächsten Tag weißt du kaum noch, was du notiert hast.
Jetzt stell dir vor, du hättest nicht nur Worte geschrieben, sondern auch gezeichnet. Symbole, Pfeile, kleine Bilder. Plötzlich siehst du beim Erinnern nicht nur Text, du siehst ein Bild. Und das Bild erzählt dir die Geschichte von selbst.
Das ist Sketchnoting.
Was sind Sketchnotes?
Sketchnotes sind visuelle Notizen, die Text und Zeichnung verbinden. Der Begriff kommt vom amerikanischen Designer Mike Rohde, der 2007 begann, Konferenznotizen zu illustrieren und damit eine weltweite Bewegung auslöste. (Rohde, M. (2013): The Sketchnote Handbook. Peachpit Press.)
Sketchnotes bestehen aus fünf Grundelementen: Schrift, einfachen Zeichnungen, Rahmen und Containern, Verbindungslinien und Pfeilen sowie Farbe und Schattierung. Du brauchst keine Kunstausbildung. Du brauchst nur die Bereitschaft, einen Stift in die Hand zu nehmen.
Warum wirken Sketchnotes?
Die Antwort liegt im Gehirn. Der amerikanische Psychologe Allan Paivio beschrieb bereits in den 1970er-Jahren die sogenannte Dual-Coding-Theorie: Unser Gehirn verarbeitet sprachliche und bildliche Informationen in zwei getrennten Systemen. Werden beide gleichzeitig aktiviert, entsteht eine stärkere Gedächtnisspur. (Paivio, A. (1971): Imagery and Verbal Processes. Holt, Rinehart & Winston.)
Neuere Forschung bestätigt das: Wer Inhalte zeichnet, erinnert sich nachweislich besser daran als wer sie nur aufschreibt. Dieser sogenannte „Drawing Effect“ wurde von Forschenden der University of Waterloo belegt. (Wammes, J.D. et al. (2016): The drawing effect. Quarterly Journal of Experimental Psychology.)
Sketchnotes nutzen genau diesen Effekt. Sie aktivieren beide Systeme gleichzeitig und verankern Wissen tiefer.
Sketchnotes auf allen Ebenen der Bildung
Das Besondere an Sketchnotes ist ihre Vielseitigkeit. Sie wirken auf jeder Ebene des Bildungssystems.
Im Unterricht helfen Sketchnotes Schüler:Innen, komplexe Inhalte zu strukturieren, eigene Lernwege sichtbar zu machen und Zusammenhänge zu verstehen, die in reinen Texten verborgen bleiben.
In der Lehrkräftefortbildung ermöglichen Sketchnotes es Teilnehmer:Innen, Fortbildungsinhalte sofort zu verarbeiten, zu vernetzen und mitzunehmen.
In der Schulentwicklung machen Sketchnotes Prozesse sichtbar: Visionen, Ziele, Diskussionsstränge werden auf einen Blick erfassbar — für alle Beteiligten gleichzeitig.
Die persönliche Ebene: Sketchnotes für dich selbst
Und dann ist da noch die persönlichste Ebene von allen: die eigene.
Sketchnotes helfen nicht nur beim Lernen und Lehren. Sie helfen dabei, den eigenen Alltag zu strukturieren, Gedanken zu sortieren und Entscheidungen zu durchdenken. Wer ein Meeting, ein schwieriges Gespräch oder eine offene Frage in eine Sketchnote überführt, sieht plötzlich Zusammenhänge, die im Kopf verborgen blieben.
Ich nutze Sketchnotes selbst als Werkzeug für Selbstreflexion: Was hat diese Woche gut funktioniert? Was will ich verändern? Wo stehe ich gerade? Ein leeres Blatt und ein Stift reichen, um Antworten sichtbar zu machen, die sich in Worte allein nicht fassen lassen.
Diese persönliche Dimension verbindet Sketchnoting direkt mit Visual Journaling — dem Visualisieren als Weg nach innen. Mehr dazu findest du auf der Seite Visual Journaling & Selbstfürsorge.
Wie fängst du an?
Der einfachste Einstieg: Nimm ein leeres Blatt und einen Stift. Schreib das nächste Thema, das du dir merken möchtest, nicht nur in Worten, sondern ergänze jeden wichtigen Begriff mit einem Symbol.
Ein Haus für „Zuhause“. Eine Glühbirne für „Idee“. Ein Herz für „wichtig“. Ein Pfeil für „führt zu“. Du weißt bereits, wie das geht — du hast es nur vielleicht vergessen.
Wenn du tiefer einsteigen möchtest: Mein kostenloser Kurs auf dem MINT-Campus gibt dir einen strukturierten Einstieg in 7 Modulen.